Volkswirtschaft: Analysen
Analyse: Die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz im Jahr 2025 – Wirtschaftsentwicklung durch schwierige Rahmenbedingungen geprägt
Die wirtschaftliche Entwicklung wurde 2025 von hohen Energiekosten, den US-Zöllen und einem starken Euro, geopolitischen Krisen und unsicheren wirtschaftlichen Aussichten beeinträchtigt. Nach vorläufigen Berechnungen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder, in dem das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz mitwirkt, nahm das Bruttoinlandprodukt preisbereinigt um 0,5 Prozent ab (Deutschland: plus 0,2 Prozent). Die Wirtschaftsleistung entwickelte sich in Rheinland-Pfalz schwächer als in fast allen anderen Bundesländern.
In jeweiligen Preisen erhöhte sich die Wertschöpfung. Sie stieg um 4,5 Milliarden auf 185 Milliarden Euro, was einer Zunahme um 2,5 Prozent entspricht.
Zum Rückgang des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts trug insbesondere das Verarbeitende Gewerbe bei, das 20 Prozent der gesamten Wertschöpfung in Rheinland-Pfalz erwirtschaftet. Die Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes sank 2025 um 1,4 Prozent (Deutschland: minus 1 Prozent).
Die Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden mit 50 und mehr tätigen Personen mussten gegenüber dem Vorjahr einen leichten Umsatzrückgang von 0,4 Prozent hinnehmen (Deutschland: minus 1,4 Prozent). Allerdings wurde die Umsatzentwicklung in Rheinland-Pfalz durch einen statistischen Effekt beeinflusst, der auf revisionsbedingte Anpassungen bei den Meldungen der Betriebe zurückzuführen ist und sich 2025 positiv auf die Umsätze in der Pharmabranche auswirkte. Bliebe die Pharmabranche unberücksichtigt, wären die Erlöse der Industrie in Rheinland-Pfalz 2025 um 1,7 Prozent gesunken.
Für den Umsatzrückgang 2025 war die Vorleistungsgüterindustrie verantwortlich. Die rheinland-pfälzische Industrie ist stark auf die Produktion von Vorleistungsgütern ausgerichtet. Sie machen mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes der Industrie aus. Im Jahr 2025 sanken die Erlöse der Vorleistungsgüterproduzenten um 3,1 Prozent. Dazu trug unter anderem die Chemieindustrie bei, die in Rheinland-Pfalz die mit Abstand umsatzstärkste Branche ist. Die Hersteller chemischer Erzeugnisse erzielten 3,5 Prozent geringere Erlöse als im Vorjahr.
Den Einbußen in der Vorleistungsgüterindustrie standen Zuwächse in der Konsumgüter- und Investitionsgüterindustrie gegenüber. Auch Aufgrund des statistischen Effekts in der Pharmaindustrie erhöhten sich die Umsätze in der Konsumgüterindustrie 2025 um vier Prozent. Die Produzenten von Investitionsgütern steigerten ihre Erlöse dank verbesserter Auslandsgeschäfte um 2,2 Prozent. Dieser Anstieg konnte jedoch das zweistellige Umsatzminus des Vorjahres nicht kompensieren. Im Maschinenbau, der zur Investitionsgüterindustrie zählt und gemessen am Umsatz die zweitgrößte Branche ist, lagen die Erlöse 3,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Die Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen, die ebenfalls zur Investitionsgüterindustrie gehören und unter den umsatzstärksten Industriebranchen an dritter Stelle stehen, erzielten 1,6 Prozent höhere Umsätze als 2024.
Der Dienstleistungssektor, der 69 Prozent zur gesamten Wertschöpfung in Rheinland-Pfalz beiträgt, musste 2025 ebenfalls Einbußen hinnehmen. Die Bruttowertschöpfung nahm preisbereinigt um 0,2 Prozent ab und entwickelte sich damit deutlich schlechter als im Bundesdurchschnitt (+0,6 Prozent).
Die Entwicklung in den Teilbereichen des Dienstleistungssektors verlief unterschiedlich. Im Teilsektor „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen“ nahm die preisbereinigte Bruttowertschöpfung in ähnlichem Ausmaß wie in Deutschland ab (minus 0,7 Prozent; Deutschland: minus 0,6 Prozent). Im Teilsektor „Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation“ stagnierte die Bruttowertschöpfung 2025 nahezu (minus 0,1 Prozent; Deutschland: plus 1,3 Prozent). Im Teilsektor „Öffentliche und sonstige Dienstleistungen, Erziehung, Gesundheit“ erhöhte sich die Wertschöpfung hingegen leicht (plus 0,3 Prozent; Deutschland: plus 1,2 Prozent).
Die Bruttowertschöpfung im Baugewerbe nahm 2025 preisbereinigt um 2,3 Prozent ab (Deutschland: minus 2,9 Prozent). Die nominalen – also nicht preisbereinigten – Umsätze im Bauhauptgewerbe stiegen hingegen. Die Erlöse der Betriebe von Rechtlichen Einheiten mit 20 und mehr Beschäftigten, die im Rahmen der Konjunkturerhebung befragt wurden, wuchsen 2025 um 7,8 Prozent (Deutschland: +4,9 Prozent). Sowohl im Hochbau als auch im Tiefbau legten die baugewerblichen Umsätze 2025 zu. Die Tiefbaubetriebe erzielten 8,3 Prozent höhere Erlöse als im Vorjahr. Im Hochbau betrug das Plus 7,2 Prozent. Im Vergleich zum Bauhauptgewerbe entwickelte sich das Ausbaugewerbe 2025 weniger günstig. Die ausbaugewerblichen Umsätze schrumpften um 5,7 Prozent. Für den Rückgang war hauptsächlich der Teilbereich Bauinstallation verantwortlich, der unter anderem die Elektroinstallation sowie Gas-, Wasser- und Heizungsinstallation umfasst und 2024 kräftige Umsatzsteigerungen verbucht hatte.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Baubranche blieben 2025 weiterhin schwierig. Hohe Preise für Bauleistungen sowie ein im mittelfristigen Vergleich hohes Zinsniveau belasteten die Baukonjunktur. Zuwächse bei den Baugenehmigungen deuten aber auf eine zukünftige Verbesserung der Baukonjunktur hin. Nachdem die Baugenehmigungen 2024 auf einen historischen Tiefstand gesunken waren, erhöhten sie sich 2025 deutlich um 8,7 Prozent.
Im Jahr 2025 wurden Waren im Wert von 57,2 Milliarden Euro aus Rheinland-Pfalz ins Ausland exportiert, was einem Anstieg um eine Milliarde Euro bzw. 1,8 Prozent gegenüber 2024 entspricht (Deutschland: +0,9 Prozent).
Die wichtigsten Absatzmärkte für die rheinland-pfälzischen Unternehmen sind die Länder in Europa. Im Jahr 2025 wurden 71 Prozent der gesamten Ausfuhren in Länder auf dem europäischen Kontinent exportiert. Gegenüber dem Vorjahr nahmen die Exporte in europäische Länder um 4,1 Prozent zu, während die Warenlieferungen auf alle anderen Kontinente zurückgingen. Frankreich, das traditionell wichtigste Abnehmerland, nahm weiterhin den ersten Platz unter den Handelspartnern ein. Etwa ein Zehntel der rheinland-pfälzischen Exporte gingen in das Nachbarland. Die Ausfuhren nach Frankreich lagen 2025 etwas unter dem Vorjahresniveau (–0,6 Prozent). In die Vereinigten Staaten von Amerika wurden 8,4 Prozent der rheinland-pfälzischen Ausfuhren geliefert. Gegenüber dem Vorjahr nahmen die Exporte in die USA um 6,2 Prozent ab. Trotzdem rangieren die Vereinigten Staaten unter den wichtigsten Handelspartnern weiterhin auf Platz zwei. Den dritten Rang unter den Handelspartnern im Exportbereich nahmen die Niederlande ein. Nach Einbußen im Vorjahr stieg der Wert der in die Niederlande gelieferten Waren 2025 um 9,7 Prozent. Einen kräftigen Zuwachs gab es auch beim Absatz in das Vereinigte Königreich (+10 Prozent).
Der Wert der Einfuhren nach Rheinland-Pfalz erhöhte sich 2025 um 2,3 Prozent (Deutschland: +4,3 Prozent). Auf Rang eins unter den Lieferländern stand die Volksrepublik China, die zum fünften Mal in Folge den Spitzenplatz unter den Handelspartnern im Importbereich einnahm. Die Einfuhren aus China stiegen um 3,6 Prozent. Auch aus den USA wurde wesentlich mehr importiert als 2024. Der Wert der Einfuhren legte um 6,1 Prozent zu.
Der Verbraucherpreisindex, dessen Veränderung gegenüber dem Vorjahr als Maß für die Inflation verwendet wird, erhöhte sich 2025 im Jahresdurchschnitt um 1,9 Prozent (Deutschland: plus 2,2 Prozent). Damit lag die Inflationsrate in Rheinland-Pfalz erstmals seit 2020 unter der für die Geldpolitik im Euroraum wichtigen Zwei-Prozent-Marke. Zugleich entsprach die Teuerung in etwa dem langjährigen Durchschnitt: Von der Einführung des Euro im Jahr 1999 bis 2025 stiegen die Verbraucherpreise in Rheinland-Pfalz durchschnittlich um 1,8 Prozent pro Jahr.
Ein wesentlicher Grund für die nachlassende Teuerung waren niedrigere Energiepreise. Die Energiepreise, die 2022 nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine den Inflationsschub auslösten, wirkten 2025 wie bereits im Vorjahr dämpfend auf die Teuerung. Energie war 2025 im Jahresdurchschnitt 3,8 Prozent günstiger als 2024. Die Preise für Nahrungsmittel, die 2022 und 2023 ein wesentlicher Inflationstreiber waren, erhöhten sich 2025 nur moderat. Mit +1,4 Prozent blieb die Steigerung unter der allgemeinen Teuerungsrate.
Um längerfristige Trends bei der Preisentwicklung unabhängig von den schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreisen zu erkennen, wird die Veränderung des „Gesamtindex ohne Nahrungsmittel und Energie“ im Vergleich zum Vorjahr betrachtet; sie wird auch als Kerninflationsrate bezeichnet. Die Kerninflationsrate lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei +2,8 Prozent (Deutschland: ebenfalls +2,8 Prozent). Sie war somit deutlich höher als die allgemeine Teuerungsrate, was mit den überdurchschnittlichen Preissteigerungen bei Dienstleistungen zusammenhängt.
Im Jahr 2025 waren in Rheinland-Pfalz 2,06 Millionen Personen erwerbstätig. Das waren knapp 2.300 Erwerbstätige bzw. 0,1 Prozent weniger als 2024. Von dem Rückgang waren sowohl die Industrie und das Baugewerbe als auch die meisten Dienstleistungsbereiche betroffen. Im Produzierenden Gewerbe sank die Zahl der Erwerbstätigen erstmals seit 2010 wieder unter die Marke von 500 000 Personen. Nur im stark staatlich geprägten Bereich „Öffentliche und sonstige Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit” stieg die Erwerbstätigenzahl. Bundesweit blieb die Gesamtzahl der erwerbstätigen Personen konstant (–0,0 Prozent).
Der langfristige Trend rückläufiger Selbstständigenzahlen verlangsamte sich etwas. In Rheinland-Pfalz lag die Zahl der Selbstständigen 2025 um 0,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sowie der geringfügig Beschäftigten änderte sich kaum (plus 0,1 bzw. minus 0,1 Prozent).
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nahmen aufgrund der anhaltend schwachen Konjunktur zu. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren rund 126.100 Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer arbeitslos gemeldet. Das waren 5.500 Personen bzw. 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr (Deutschland: plus 5,8 Prozent). Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 2013 (Deutschland: plus 0,3 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent). Im Ländervergleich hat Rheinland-Pfalz trotzdem weiterhin die drittniedrigste Arbeitslosenquote hinter Bayern (2025: vier Prozent) und Baden-Württemberg (4,6 Prozent).
Der Bedarf an neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ging 2025 weiter zurück. Der Bundesagentur für Arbeit wurden im Jahresdurchschnitt 33 500 offene Arbeitsstellen gemeldet und damit 3 500 Stellen bzw. 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr (Deutschland: minus 8,9 Prozent).
